Atmen wir alle falsch? Warum mehr Atmen nicht immer besser ist
Viel Luft, viel Sauerstoff, mehr Energie? Klingt erst einmal logisch. Und ist doch nur die halbe Geschichte. Denn Atmung ist nicht einfach eine Frage davon, wie möglichst viel Luft in die Lunge kommt. Entscheidend ist auch, wie der Körper den Sauerstoff weiterverarbeitet.
Christine hat dafür in einem Gespräch mit Jochen Schropp ein Bild verwendet, das sofort verständlich wird: Stell dir vor, Hämoglobin transportiert Sauerstoff wie ein Taxi seine Fahrgäste. Damit die Passagiere aussteigen können, braucht es die passenden Bedingungen im Gewebe – und CO₂ spielt dabei eine wichtige Rolle.
Was hat Kohlendioxid mit der Sauerstoffversorgung zu tun?
CO₂ ist kein bedeutungsloses Abfallprodukt. Unter anderem beeinflusst es, wie leicht Hämoglobin Sauerstoff im Gewebe freigibt. Diesen Zusammenhang beschreibt der Bohr-Effekt. Wenn wir deutlich mehr atmen, als unser Körper gerade benötigt, kann das den CO₂-Spiegel senken. Mehr Atemvolumen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Zellen mehr Sauerstoff bekommen.
Und genau deshalb schauen wir bei Intesoma genauer hin: Wie atmest du im Ruhezustand? Durch die Nase oder häufig durch den Mund? Ist dein Atem entspannt oder arbeitet der Brustkorb die ganze Zeit mit? Fühlt er sich leise und mühelos an – oder eher nach einem unbewussten Zuviel?
Woran erkennst du ein möglicherweise ungünstiges Atemmuster?
Schnelles, angestrengtes oder dauerhaft größeres Atmen kann in manchen Situationen ein Hinweis auf ein nicht optimales Atemmuster sein. Das ist aber keine Diagnose. Atembeschwerden, Luftnot oder Schwindel können auch medizinische Ursachen haben und sollten gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden.
Was wir häufig beobachten: Menschen wollen „richtig“ atmen und holen dann besonders tief Luft. Damit tun sie manchmal genau das Gegenteil dessen, was sie erreichen möchten – sie erhöhen das Atemvolumen weiter.
Wie kannst du im Alltag anfangen, deinen Atem besser wahrzunehmen?
Du brauchst dafür keine komplizierte Methode. Beobachte für einen Moment deinen Atem, ohne ihn gleich zu korrigieren. Spürst du Bewegung mehr im Brustkorb oder auch im unteren Rippenbereich? Ist der Mund geschlossen? Wie viel Anstrengung steckt in einem Atemzug?
Wenn es angenehm ist, kannst du deinen Atem für kurze Zeit etwas ruhiger und leiser werden lassen. Ohne Druck, ohne Luft anzuhalten und ohne extra große Atemzüge. Sobald du dich unwohl fühlst, kehrst du zur natürlichen Atmung zurück. Es geht um neugieriges Kennenlernen, nicht um Leistung.
Fazit: Gute Atmung heißt nicht möglichst viel Luft
Ein gesundes Atemmuster ist nicht möglichst tief oder möglichst langsam. Es ist der Situation angemessen. Gerade im Alltag lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die Atemfrequenz zu achten, sondern auch auf Atemvolumen, Leichtigkeit und den gesamten körperlichen Kontext.
Wenn du funktionale Atmung besser verstehen und mit kleinen Schritten in deinen Alltag bringen möchtest, findest du im Intesoma Online-Studio passende Übungen und Workshops.